Jeden Mittwoch Digitale Ambulanz und Internet Treff

De Wind hett wat vör

HerbstDu büst an en kollen Harvstmorgen in Niestadt ünnerwägens. De Sünn schient, de Oostsee glitzert un de Bläder danzt över den Markt. Dat süht ut as’n perfekten Dag för’n lütten Spazeergang.
Doch denn kümmt vun den Haven en Windbö 
üm de Eck. Un de hett dat in sik!
Dien Regenschirm, den du för alle Fälle mitnimmst, klappt op 
– un dat, obwohl keen Droppen Regen to sehn is. Du grippst em fast, man de Wind hett keen Lust, mit di to verhandeln. He treckt di glatt een poor Schritt achter sik her.

En olen Keerl, de op en Bank sitt, hett sien Vergnögen doran un röppt: „Na, wullt du mit den Schirm na Pelzerhaken segeln?“
Du musst lachen un versöchst, den 
Schirm wedder to bändigen. Doch denn maakt de Wind kurzen Prozess: De Schirm flüggt in’n Busch un blifft dor hangen.
Du krabbelst achterher un haalst 
em dor rut. De olen Keerl röppt: „Laat em doch dor! Dat is doch en schöne Harvstdekoration!“
Du winkst em to un geihst wieder 
Richtung Haven. Doch kaum büst du een poor Schritt gahn, kümmt de nächste Bö. Dien Mütz flüggt di vun’n Kopp un
landet direkt vör de Fööt vun den olen Keerl.
He nimmt se op, sett’t se op sien Kopp un seggt: „Passt 
beter bi mi. Wat meenst du?“ Du kannst di dat Lachen nich mehr verknepen. „Dat is mien Mütz!“
„Na denn“, seggt he, „sünd wi uns ja einig.“ Du kriegst dien 
Mütz wedder un geihst mit schnellen Schritt na Huus.
Un dor denkst du: In Niestadt bruukt man im Harvst nich 
unbedingt en Segelboot. En Regenschirm un en Mütz langt al.

 

Übersetzung:

Du bist an einem kühlen Herbstmorgen in Neustadt unterwegs. Die Sonne scheint, die Ostsee glitzert und über den Markt wirbeln die ersten Blätter. Eigentlich genau das richtige Wetter für einen schönen kleinen Spaziergang.
Doch plötzlich kommt vom Hafen eine kräftige Windböe um die Ecke. Und die hat es in sich!
Dein Regenschirm, den du vorsichtshalber mitgenommen hast, klappt auf – obwohl weit und breit kein Regentropfen zu sehen ist. Du hältst ihn mit beiden Händen fest, aber der Wind denkt gar nicht daran, nachzugeben. Stattdessen zieht er dich einfach ein paar Schritte hinter sich her.
Ein älterer Mann, der gemütlich auf einer Bank sitzt, hat sichtlich seinen Spaß daran und ruft: „Na, willst du mit dem Schirm nach Pelzerhaken segeln?“
Du musst lachen und versuchst, den Schirm wieder unter Kontrolle zu bekommen. Doch der Wind ist schneller: Mit einem kräftigen Ruck reißt er dir den Schirm aus der Hand und schleudert ihn in einen Busch, wo er prompt hängen bleibt.
Du gehst hinterher und holst ihn wieder heraus. Da ruft der Mann von seiner Bank: „Lass ihn doch da! Das wäre doch eine schöne Herbstdekoration!“
Du winkst ihm lachend zu und gehst weiter in Richtung Hafen. Doch kaum hast du ein paar Schritte gemacht, kommt schon die nächste Bö. Diesmal erwischt es deine Mütze. Sie fliegt dir vom Kopf und landet ausgerechnet direkt vor den Füßen des älteren Mannes.
Er hebt sie auf, setzt sie sich auf den Kopf und meint: „Die steht mir doch viel besser. Was meinst du?“
Jetzt kannst du dir das Lachen kaum noch verkneifen. „Das ist meine Mütze!“
„Na dann“, sagt er grinsend, „sind wir uns ja einig.“
Du bekommst deine Mütze zurück und machst dich schnellen Schrittes auf den Heimweg.
Und dabei denkst du: In Neustadt braucht man im Herbst wirklich kein Segelboot. Ein Regenschirm und eine Mütze reichen völlig aus.